Dropshipping Magazine
Dropshipping Betriebswirt Elite-Dropshipping News

Der Albtraum mit drei Buchstaben …

Lesezeit: 6 Minuten

So titelt die Wirtschaftswoche 2019, gemeint ist SAP – glücklicherweise nicht das DRM. Diese Aussage kommt nicht von ungefähr, denn SAP stellt viele Unternehmen seit der Einführung vor eine echte Belastungsprobe. Die Steuerung der Geschäftsprozesse mithilfe der Software gestaltet sich in den meisten Fällen aufwendig, zeit- und kostenintensiv. Mitarbeiter verzweifeln oftmals an der komplexen Struktur des Programms und sind mit den schwer verständlichen Funktionen und Anwendungsbereichen überfordert. Das Programm bringt eigentlich nichts mit, was eine Software heutzutage haben müsste: Eine einfache Verständlichkeit, eine intuitive Bedienung und schnelle Click-Ergebnisse. In entsprechenden Foren wundern sich schon seit geraumer Zeit Unternehmer und Mitarbeiter darüber, dass sich die Software so lange hält, denn eigentlich ist die komplexe Anwendung absolut nicht mehr zeitgemäß.

Die SAP Erfolgsstory

Dietmar Hopp und Hass Plattner gründeten bereits 1972 die Firma SAP Systemanalyse und Programmentwicklung GbR in Weinheim. Die Idee: Daten sollten nicht mechanisch auf Lochkarten gespeichert werden, sondern digital über Bildschirm und Tastatur. Finanzbuchhaltung als Standard-Software, das war damals eine echte Innovation und sofort entsprechend erfolgreich. Die Firma wuchs stetig, ab Anfang der 80er Jahre gab es SAP dann auch in anderen Sprachen. 1981 wurde die GbR zur GmbH, 1988 ging das Unternehmen an die Börse und ist bis heute das größte europäische und das drittgrößte nichteuropäische Börsen-orientierte Software-Unternehmen. Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen über 100.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2019 über 27 Milliarden Euro. Mit einer Marktkapitalisierung von über 150 Milliarden Euro ist SAP mit Abstand das wertvollste deutsche Unternehmen und mit einem Marktanteil von knapp 15 Prozent so erfolgreich wie die beiden nächsten Wettbewerber Intuit und Oracle zusammen.

Und dennoch, die Software ist mittlerweile extrem unbeliebt. Viele Unternehmen kaufen die Software mangels Alternativen und weil das renommierte Software-Paket fürs Büro eben an Funktionen (fast) alles bietet, was sich Unternehmen wünschen. Leider ist es genau das, was die Software so kompliziert macht: In den vergangenen Jahrzehnten wurden immer mehr Funktionen und Möglichkeiten hinzugefügt, was sich heute in einem Wirrwarr und einer Komplexität bemerkbar macht, die seinesgleichen sucht. So haben IT-Fachleute Probleme damit, einzelne Eingabefelder zu finden und sie entsprechend an ihr Unternehmen anzupassen, Manager können sich nicht merken, welche Reiter sie aufklappen müssen, um ihre Spesenrechnung im SAP-Reisemodul korrekt einzupflegen. Vertriebler können unterwegs die SAP-Software fürs Kundenmanagement nicht starten, usw. Kurzum: Die Software treibt Unternehmer und Mitarbeiter gleichermaßen an ihre Grenzen.

Dazu kommt, dass die Einführung und Installation des Systems oft ebenso zeit- und kostenaufwendig ist wie die Handhabung selbst. Denn SAP-Beraterfirmen werden meist pro Mitarbeiter und Tag bezahlt und haben deshalb kein Interesse an einer allzu schnellen Installation.

Die Wirtschaftswoche kommt anhand einer Studie des Markkenners Derek Prior (Resulting IT) sogar zu dem Schluss, dass höchstens ein Drittel der SAP-Projekte im veranschlagten Zeitrahmen bleibt. Auch im finanziell geplanten Rahmen bleiben nur etwa 30 Prozent der Aufträge, sieben von zehn Befragten gaben an, dass die Einführung sie mehr gekostet hätte, als ursprünglich vereinbart.

Zahlen und Fakten zu SAP (Quelle: Wirtschaftswoche 2019)

In der Vergangenheit gab es bereits einige bemerkenswerte Storys, Zahlen und Fakten, Freunde und Gegner von SAP. Im Nachfolgenden findest du einige Beispiele, basierend auf der Wirtschaftswoche.

SAP und Lidl
Im Jahr 2011 beschloss Lidl, einen eigenen Gegenentwurf zur unbeliebten SAP-Software zu starten. Unter dem Software-Programm namens „Elvis“ sollte ein weltweit einheitliches Warenwirtschaftssystem entstehen. Fast sieben Jahre arbeitete Lidl zusammen mit der Unternehmensberatung KPS an der Entwicklung und Ausarbeitung, über eine halbe Milliarde Euro wurde in das Projekt investiert. 2018 wurde das Projekt dann dennoch abgebrochen – die geplanten Projektziele waren nicht mit vertretbarem Aufwand erreichbar, so der Lidl-Chef Jesper Hoyer.

Bitte logge dich ein, um diesen Bericht (sowie alle anderen) kostenfrei & vollständig zu lesen.

29
0

Sichere dir jetzt dein Exemplar!