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Alles hat einen Preis: Auch dein Leben!

Lesezeit: 4 Minuten

Nicht verkaufte Produkte oder Dienstleistungen lassen sich genau beziffern, ebenso wie ausgefallene Mieteinnahmen oder abstürzende Börsenkurse. Auch die Höhe von Gehältern oder von Kurzarbeitergeld lassen sich anhand von Formeln genau berechnen. Aber wie sieht es mit einem Menschenleben aus? Wie viel ist die Rettung eines Menschenlebens wert? Lässt sich ein Leben in Euro und Cent messen und ist das unter ethischen Gesichtspunkten überhaupt erlaubt? Einige Juristen und Wirtschaftswissenschaftler versuchen, Antworten auf diese Frage zu finden und begeben sich mit ihren Ansätzen auf ein schwieriges Terrain.

Beispiel: Der anerkannte Ökonom Afschin Gandjour von der Frankfurt School of Management berechnete kürzlich, dass ein vollständiger Shutdown bis eine Herdenimmunität erreicht ist, mindestens 605.000 Menschenleben rettet. Mithilfe von Sterbetafeln kalkulierte Gandjour, dass so 3,1 Millionen Lebensjahre gewonnen werden.

Die große Frage lautet: Kann, darf man Lebenszeit gegen wirtschaftliche Einbußen aufrechnen? Mit dieser ethischen Kontroverse kennt sich der 74-jährige, amerikanische Jurist Kenneth Feinberg aus. Er berechnete bereits die Entschädigungszahlungen für die Todesopfer des Terroranschlags vom 11. September 2001 und auch die Kompensationen für die Vietnam-Veteranen, die damals schwere Gesundheitsschäden durch die Chemiewaffe Agent Orange davontrugen. Aktuell vermittelt Feinberg als Mediator zwischen Bayer und einer amerikanischen Klägerschaft – Streitpunkt ist die von Bayer umstrittene Krebsgefahr durch den Pflanzenwirkstoff Glyphosat. Der Jurist nutzte für die vergangenen Entschädigungszahlen stets die gleiche Formel: Das Einkommen, das eine Person im verbleibenden Leben noch verdient hätte plus eine Entschädigung für die Angehörigen. Das konkrete Schmerzensgeld für die Angehörigen orientierte sich dabei an Durchschnittswerten, die amerikanische Gerichte in den vergangenen Jahren den Hinterbliebenen zugesprochen haben. So sprach er in der Vergangenheit der Familie eines Hilfsarbeiters ohne Papiere beispielsweise 250.000 Euro zu, während die Familie eines Bankers 8,1 Millionen Euro erhielt. Diese Form der Berechnung hat Feinberg in der Vergangenheit viel Kritik eingebracht, der Titel eines Dokumentarfilmes über ihn lautet „Playing God“. Dass ein Menschenleben hier auf einen wirtschaftlichen Wert reduziert wird, ist dem Juristen durchaus bewusst, dennoch sagt er: „Es ist ein Verfahren, dass trotz aller Schwächen im amerikanischen System bisher gut funktioniert hat.“ Ein Menschenleben monetär aufzuwiegen sei zwar generell schwierig, bisher habe aber noch niemand eine bessere Idee gehabt.

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