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Der Markt muss egoistisch sein!

Lesezeit: 3 Minuten

Unternehmer und Autor Julien Backhaus ist ein bekennender Egoist.
Aber ein guter, wie er betont. Warum die Wirtschaft nur durch Egoismus funktioniert, erklärt er im Interview

Dein neues Buch heißt „EGO – Gewinner sind gute Egoisten“. Das klingt sehr provokant. Wie kam es zu der Idee?

Mittlerweile denke ich, der Titel klingt provokanter als der Inhalt. Das sagen mir viele Leser. Im Buch geht es um Selbstbestimmtheit und darum, sich selbst zu erkennen und sich treu zu bleiben. Und natürlich darum, das zu bekommen, was man will. Deshalb steckt auch das Wort Gewinner im Untertitel. Zur Buch-Idee bin ich gekommen, als ich in einer Fernsehtalkshow als Gast eingeladen war. Es ging um das Thema Egoismus. Während ich meine Thesen erklärte, merkte ich, wie unwohl sich alle fühlten. Ich wusste also, es ist Aufklärung nötig. Die will ich mit dem Buch liefern.

Wo liegt denn das große Missverständnis?

Menschen verbinden den Begriff grundsätzlich mit etwas negativem. Der Wortstamm Ego bedeutet übersetzt Ich. Das kann grundsätzlich nicht schlecht sein. Und Egoismus ist die Konzentration auf das eigene Ich und die eigenen Vorteile. Und ja, es gibt natürlich auch schlechten Egoismus. So wie man auch mit einem Messer Gutes und Schlechtes anrichten kann, gilt das auch für Egoismus. Immer, wenn man absichtlich anderen Schaden zufügt – jemanden zum Beispiel betrügt – ist das schlechter Egoismus. Deshalb plädiere ich für den guten Egoismus, wie ich es im Buch beschreibe.

Trotzdem denken Menschen schlecht über den Begriff. Warum?

Weil es uns eingebläut wurde, dass es schlecht ist, an sich zu denken. Ich behaupte, weil man so Menschen besser kontrollieren kann. Denn es beginnt ja in der Kindheit, wenn uns die Erwachsenen steuern wollen und deshalb verlangen, erst mal Rücksicht auf alle anderen zu nehmen, bevor wir an uns denken. Ich kritisiere diese Reihenfolge. Wer nicht zuerst an sich denkt, hat auch nichts zu geben. Wer selbst schwach ist, kann nicht stark für andere sein. Im Flugzeug ermahnen uns die Flugbegleiter vor jedem Start, dass wir die Sauerstoffmaske erst mal uns selbst überziehen müssen, bevor wir anderen helfen. Es geht nur in dieser Reihenfolge.

Lässt sich das auf die Wirtschaft übertragen?

Hier wird es besonders deutlich. Wirtschaft ist per se egoistisch motiviert. Deshalb funktioniert auch Sozialismus nirgends auf der Welt, denn niemand ist herausgefordert, große Leistung zu bringen. Der Kapitalismus funktioniert noch immer am besten – auch wenn er von einzelnen missbraucht wird. Das ist das geringere Übel – der Preis der Freiheit sozusagen. Aber in einem System, wo jeder den maximalen Vorteil gewinnen will, herrscht Wettbewerb. Das sorgt für Preisgleichgewicht und Beschäftigung. Gleichzeitig muss der Unternehmer Steuern aller Art abführen: Sozialabgaben, regionale Steuern sowie Bundessteuern. Außerdem muss er Hilfsmittel kaufen, um seine Produktion oder Dienstleistung erbringen zu können. Es ist ein System, das sich selbst am Leben hält und von dem alle profitieren. Trotzdem: Der Ursprung ist das egoistische Verlangen eines Menschen, der die Firma gründet und die ganze Spirale in Gang setzt.

Aber es entstehen auch Ungleichgewichte?

Ja, aber immer nur temporär. Zeitweise ist ein Unternehmen marktbeherrschend – also Monopolist. Und in der Regel befeuert ein sehr gutes Produkt diesen Trend. Ein Produkt, das viele Menschen gleichzeitig haben möchten. Auch durch Übernahmen kann ein Unternehmen überproportional wachsen. Aber Ungleichgewicht hält sich in dieser Welt nicht lange. Interessant ist doch, dass kein Marktführer lange solcher bleibt. Microsoft nicht, Nokia nicht, Kodak nicht. Diese Unternehmen mussten nicht zerschlagen werden oder ähnliches. Arroganz und Innovationsschwäche sorgten ganz von selbst dafür, dass zwei der Unternehmen sogar untergingen. Der Markt reguliert sich wunderbar selbst.

Ist Gier also gut oder schlecht?

Grundsätzlich halte ich Gier für gut. Es ist ja auch nicht schädlich, wissbegierig zu sein. Wichtig ist nur, dass alles einem Sinn folgt. Ich kann nur das nehmen, was andere bereit sind, mir zu geben. Es ist alles Verhandlungssache. Wenn ich 1000 Euro für ein Produkt will, weil ich gierig ohne Verstand bin, aber der Markt nur bereit ist, 600 Euro dafür zu zahlen, werde ich verhungern. So ist es übrigens mit allem im Leben. Es beruht alles auf der Übereinkunft zweier oder mehrerer Menschen. Diebstahl immer ausgenommen. Wie gesagt, wir reden über guten Egoismus. Ja, denke an dich, aber der Markt wird dir sagen, wo die Grenzen liegen. Es gilt, diese Grenzen ständig auszuloten und zu verschieben. Durch bessere Angebote oder bessere Preise. Kapitalismus funktioniert.

Julien Backhaus ist Medienunternehmer, Ex-Lobbyist und mehrfacher Buchautor sowie Gegenstand diverser Bücher. Er ist regelmäßig in deutschen und internationalen Medien zu Gast und spricht über Unternehmertum. 2019 wurde er zum Man of the Year gewählt. Aus dem Bundestag gab es Beifall für seinen Einsatz in der Wirtschaft. Jan Böhmermann nannte ihn scherzhaft in seiner Sendung einen neuen Anführer.

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Bildquelle: Julien Backhaus

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